Leylâ Erbil: Eine seltsame Frau
Eine seltsame Frau von Leylâ Erbil ist ein in spannender Blick in die Türkei und auf ihr Frauenbild
Im Mittelpunkt des Romans „Eine seltsame Frau“ steht Nermin, die aus
ihrem bisherigen Leben von der jungen Studentin bis zu der vierzigjährigen,
geschiedenen Frau, erzählt. Der Roman ist in vier sehr verschiedene Kapitel
unterteilt. Sie setzen sich mit ihren beiden Eltern, mit ihrer Jugend
und ihrem Älterwerden auseinander. Ihren Alltag als 19-jährige beschreibt
sie in Tagebuchform: der Umgang mit ihren Freundinnen, ihre politischen
Aktivitäten, der Austausch mit anderen Intellektuellen. Als 40-jährige setzt
sie sich in Rückblenden noch einmal mit ihren Ehejahren und mit ihrem öffentlichen
Leben als Politikerin auseinander.
Der Roman von Leylâ Erbil, der schon
1971 in der Türkei erschien, erregte dort großes Aufsehen, weil die Autorin
Themen aufgreift, ohne sich von Tabus beirren zu lassen. Sie geht auf das
Frauenbild mit seiner ganzen Widersprüchlichkeit in der Türkei ein und sie
setzt sich mit der linken Ideologie der 50er und 60er Jahre auseinander,
die zu dieser Zeit unter den türkischen Intellektuellen sehr populär war.
Ein spannender Blick in das südöstliche Nachbarland der EU, das ja vielleicht
selbst bald dazu gehört. Wer Interesse an der Türkei, seinem Frauenbild
und seinen gesellschaftlichen Auseinanderersetzungen hat, wird das Leben
Nermins mit Spannung verfolgen. Erschienen ist „Die seltsame Frau“ in der
Türkischen Bibliothek des Unionsverlags. In dieser Reihe werden Romane,
Autobiografien, Kurzgeschichten, Gedichte und Essays türkischer Schriftsteller
und Schriftstellerinnen vorgestellt, die im deutschsprachigen Raum – trotz
ihrer Bedeutung - bis jetzt noch unbekannt sind.
Rezension von Silke Schröder
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