lesende Gartenzwerge
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Mittwoch, 26. April 2007

© Blessing Verlag
208 Seiten
September 2006
ISBN: 978-389667262-9

Florian Illies: Ortsgespräch

Ortsgespräch von Florian Illies ist ein Buch über eine Parallelwelt, die es immer noch geben soll – irgendwo hinter Kassel oder tief verborgen im Kopf moderner Urbaniten.

Wo „Latte Machiato“ noch immer modischer Schnickschnack ist, wo die Telefonvermittlung bereits nach der dritten Stelle durchstellt und der Herbst sich im süßlichen Geruch von Entsaftern und Obstkuchen-Blechen ankündigt, dort fängt Florian Illies Ortsgespräch an.

Ein Loblied auf die dörfliche oder kleinstädtische Heimat, die viele von uns vor Jahren erleichtert zurückgelassen und im großstädtischen Rummel um Ausbildung, Nightlife und Job längst verdrängt haben – bis, ja bis alljährliche Ereignisse wie Weihnachten oder der Geburtstag von Tante Do uns zur kurzen Rückkehr in eine vergessene Welt zwingen.

„Natürlich ist in diesem Buch alles erstunken und erlogen“, warnt Illies alle jene, die bei der Lektüre seiner kurzweiligen Episoden in romantische Verklärung versinken wollen. Seiner genauen Beobachtung entgeht weder der unvermeidliche Niedergang dörflicher Traditionsgeschäfte noch der schwungvolle Internet-Handel rüstiger Rentner im raufaserverkleideten Dachgeschossbüro.

Und dennoch schlägt er eine Saite in uns an, die offenbar aufs Schwingen gewartet hat: sei es aus reiner Nostalgie oder sei es aus Sehnsucht nach jenen Zeiten, in denen der Ortstarif noch im Acht-Minuten-Takt zählte, der mitternächtliche Besuch im Freibad zum illegalen Sommer-Highlight gereichte und der Sirenenalarm samstags um 12 Uhr niemals Feuer, sondern den endgültigen Beginn des Wochenendes anzeigte. Ein ebenso unaufgeregtes wie pointiertes Buch über eine Parallelwelt, die es immer noch geben soll – irgendwo hinter Kassel oder tief verborgen im Kopf moderner Urbaniten.

Florian Illies, 1971 in Schlitz geboren, leitete die Berliner Seiten der FAZ und das Feuilleton der FAS. Heute ist er Herausgeber der Zeitschrift "Monopol" in Berlin.

Rezension von Silke Schröder


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