Aurélien Molas: Die elfte Geißel
DIE ELFTE GEISEL von Aurélien Molas ist ein sehr düsterer Thriller aus Paris, der mit kritischem Blick und viel Spannung eine packend-komplexe Story erzählt.
In Frankreich brennen die Vororte; eine beispiellose soziale Krise hat das Land voll im Griff. Die Polizei steht der Situation immer hilfloser gegenüber. Gerade in den Vorstädten der Pariser Banlieue entlädt sich der Frust der Bewohner. Ausgerechnet in dieser angespannten Situation wird Kommissar Maxime Kolbe von der Kontrollbehörde angeklagt, weil sein Team bei den Ermittlungen gegen eine gut organisierte Pädophilen-Bande nicht immer auf ganz legale Weise vorgegangen ist. Und inmitten der Ereignisse wird die Öffentlichkeit noch durch eine weitere Nachricht geschockt: zwei junge Mädchen haben sich vor die U-Bahn gestürzt. Ein klassischer Suizid, sagt die zuständige Mordkommission. Doch Kommissarin Blandine Pothin glaubt nicht an den doppelten Selbstmord. Trotz des Verbotes ihres Vorgesetzten ermittelt sie auf eigene Faust weiter und stellt schnell fest, dass jemand die Beiden gestoßen haben muss. Und ihre Spur führt sie immer mehr in die Richtung ihrer eigenen Kollegen.
„Die elfte Geisel“, der Debütroman des Franzosen Aurélien Molas, ist unerbittlich wie ein Countdown. Inmitten widrigster Umstände ermittelt die zuständige Polizei fieberhaft gegen einen Pädophilenring, der unbedingt zerschlagen werden muss und dessen Mitglieder, wie es scheint, überall zu finden sind. Zugleich ist dieser Krimi aber auch ein zynischen Blick auf eine Gesellschaft, in der es nur noch eine Regel gibt, nämlich ohne Rücksichtnahme so viel Profit wie möglich aus einer Sache herauszuschlagen. Leider bleibt der Erzählstil des Autors, trotz seines ambitionierten Themas, etwas oberflächlich und er schafft es auch nicht so recht, seinen Figuren die benötigte glaubhafte Tiefe zu geben. Dennoch ist „Die elfte Geisel“ ein gut aufgebauter, sehr düsterer Thriller, der mit kritischem Blick und viel Spannung eine packend-komplexe Story erzählt.
Aurélien Molas, geboren 1985 in Tarbes, hat in Madrid gelebt und wohnt heute in Paris, wo er als Drehbuchautor tätig ist. »Die elfte Plage« ist sein erster Roman, der 2010 mit dem Prix Sang pour Sang polar, dem Prix Noir de Noir des lycéens und dem Prix Raisin Noir du polar ausgezeichnet wurde.
Rezension von Silke Schröder
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