Ingrid Noll: Ehrenwort
gelesen von Peter Fricke
EHRENWORT von Ingrid Noll ist idyllisch-böse Unterhaltung aus der deutschen Provinz.
Der 89jährige Willy Knobel schafft es nicht mehr alleine in seinem Haus in der hessischen Provinz. Und obwohl sich Enkel Max rührend um den Alten kümmert, muss eine Lösung her. Harald, Willys Sohn, würde seinen Vater am liebsten in ein Altersheim abschieben, doch Max und Mutter Petra wollen ihn bei sich zu Hause unterbringen, letztendlich auch wegen des dezenten Drucks von Willy, der mit Enterbung droht. So lebt Willy bald im Hause seines Sohnes, pafft Zigarren und stellt den Fernseher laut. Harald will seinen Vater aus dem Weg schaffen und macht sich mit unbekömmlichen Substanzen am Cognac zu schaffen, doch den trinkt leider die ältere Pflegerin Schwester Kriemhild. Max hingegen ist völlig entzückt von der neuen jungen Pflegerin Jenny. Allerdings hat er auch ein ernstes finanzielles Problem, denn er wird seit Jahren wegen einer blöd vergeigten, nicht ganz legalen Sache von einem echt fiesen Kriminellen erpresst. So kommt es Max ganz recht, wenn Opas Erbe in der Familie bleibt.
Ingrid Noll ist bekannt für ihre ungewöhnlichen und oft etwas bösen Geschichten, die aber meist in wunderbar idyllischer Umgebung spielen. Dieses Mal hat sie sich die Altenpflege und die Pflege Alter zu Hause vorgenommen – ein Thema, das ihrer Schreibe denkbar viel Raum bietet. Arglistige Gedanken um das Erbe werden da schon mal fix in die Tat umgesetzt, und schon erwischen wir uns selbst dabei, wie wir bei dem einen oder anderen Mord ein Auge zudrücken, damit Nolls sympathischen Alltagshelden aus unliebsamen Situationen heil wieder herauskommen. Jeder hat dort schließlich sein kleines Geheimnis: die Mutter ihren Lover, Sohn Max seinen Erpresser und der Vater den besten Freund, dem er einen Riesenauftrag zuschustern möchte. Einzig Schwester Mizzy hat das Nest verlassen und lebt in Berlin glücklich ihre lesbische Beziehung, was aber in der Familie auch nur begrenzte Begeisterung auslöst. Und selbst wenn die Geschichte manchmal ihre Länge hat, kommt man beim Zuhören voll auf seine Kosten - der Schauspieler Peter Fricke liest die Story mit viel Humor und süffisanter Sympathie für all die schrägen Familienmitglieder. Idyllisch-böse Unterhaltung à la Noll.
Ingrid Noll wurde 1935 in Shanghai geboren und studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden. Ingrid Noll lebt heute mit ihrem Mann in Weinheim.
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