Jo Kyung Ran: Feine Kost
FEINE KOST ist nicht nur ein Buch über das Verlassenwerden und die Einsamkeit, es ist auch eine spannend-sensible Einführung in die Kunst des Kochens
Ji-won ist Köchin aus Leidenschaft. Aus dem sicheren Job im italienischen Nobelrestaurant „Nove“ wagt sie auf Anraten ihres Freundes, des Architekten Seok-ju, den Sprung in die Selbständigkeit und eröffnet ihr eigenes, sehr erfolgreiches Kochstudio. Doch dann betrügt Seok-ju sie mit einer ihrer Kochschülerinnen und verlässt sie. Nur die Hündin Polly lässt er zurück. Für Ji-won bricht eine Welt zusammen. Sie schließt ihr Kochstudio und kehrt zum anstrengenden Job als Köchin zurück ins „Nove“. Bis ihr die Idee für eine ebenso feine wie teuflische Rache kommt...
In Jo Kyung Rans Roman „Feine Kost“ geht es um die Leidenschaft des Liebens und des Kochens. Ihre Protagonistin Ji-won fühlt sich nach der traumatischen Trennung von ihrem Freund völlig alleingelassen. Selbst ihre Hündin Polly vernachlässigt sie immens; sie lebt nur noch für die Arbeit und verbringt Tag und Nacht im Restaurant. Doch dann gibt es neue Hoffnung, denn in dem nach Monaten gegliederten Kapiteln kommt nicht nur der Sommer immer näher, auch die Gefühlswelt Ji-wons nimmt wieder Konturen an. Mit sinnlichem Essen und besonderen Lebensmitteln will sie ihren Freund zurückgewinnen. In ihren überaus appetitanregenden Beschreibungen geht die Autorin nicht nur auf die sinnlich-erotische Komponente der Essenszubereitung ein, sie erzählt auch von der Bedeutung von Salz, vom erdig-köstlichen Empfinden einfacher Kost und von der engen Verbindung von Hunger und Begehren - Liebe geht bekanntlich durch den Magen. So ist „Feine Kost“ nicht nur ein Buch über das Verlassenwerden und die Einsamkeit, es ist auch eine spannend-sensible Einführung in die Kunst des Kochens und unsere alltägliche Nahrung – auch wenn am Ende ein kulinarisches Horrorgericht wartet.
Jo Kyung Ran wurde 1969 in Seoul geboren. In ihrer Heimat ist die südkoreanische Autorin ein Star; sie zählt zu den wichtigsten neuen literarischen Stimmen des Landes. Ihre Romane und Erzählungen wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, für »Feine Kost« erhielt sie 2008 den renommierten Donghin Prize.
Rezension von Silke Schröder
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