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Mittwoch, 26. April 2007

© Helmer Verlag
August 2005
ISBN: 389741192X

Carolin Schairer: Die Spitzenkandidatin

Es geht um vieles in Carolin Schairers neuem Roman Die Spitzenkandidatin: Um Freundschaft und Liebe natürlich, aber auch um die alltäglichen Widersprüche zwischen Karriere und Gefühl, um Ehrlichkeit, das Gehen über Beziehungsleichen und die Frage nach der politischen Kultur in diesem Lande.

Theresa Lackner ist Redakteurin bei einer Frauenzeitschrift. Als sie eines Tages den Auftrag erhält, die Spitzenkandidatin Katharina Herrmann von der konservativen Partei im Wahlkampf zu begleiten, ist das für sie nicht nur ein großartiger Auftrag, sondern auch ein Trip in die Vergangenheit. Denn die beiden kommen aus dem gleichen bayrischen Kaff.

Und sie verbindet noch etwas: Als junger Volontärin war Theresa ein verräterisches Foto in die Hände gefallen, das die damalige Abgeordnete Herrmann eng umschlungen mit einer anderen Frau zeigte. Aus dem delikaten Fund entwickelte sich eine kleine Komplizenschaft: Theresas Schweigen gegen heiße Presseinfos aus dem Regierungslager. Doch bald verbindet die Beiden mehr als nur ihr alter Deal. Die von Selbstzweifeln geplagte Theresa erkennt, dass sie für die erfolgreiche Spitzenkandidatin Katharina Herrmann mehr empfindet als nur Freundschaft - und ihre Gefühle werden erwidert!

Es geht um vieles in Carolin Schairers neuem Roman: Um Freundschaft und Liebe natürlich, aber auch um die alltäglichen Widersprüche zwischen Karriere und Gefühl, um Ehrlichkeit, das Gehen über Beziehungsleichen und die Frage nach der politischen Kultur in diesem Lande. Steuern wir - Monica Levinsky lässt grüßen - auf amerikanische Moralkampagnen zu oder lässt uns das Privatleben der Politiker eher kalt, solange sie nur ihren Job vernünftig machen? Wäre die Öffentlichkeit heute bereit für ein homosexuelles Staatsoberhaupt, insbesondere für eine Frau? Oder können sich Frauen in der Männerdomäne Politik ein “Outing” noch viel weniger leisten?

Schairer jedenfalls lässt ihre “Kandidatin” den vorsichtigeren Weg gehen - leider. Dennoch: trotz mancher Längen ein gelungenes und keineswegs plattes Beispiel über Ehrgeiz, Macht und Liebe - nicht nur, weil grad’ Wahlkampf ist.

Rezension von Silke Schröder


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