Kathy Reichs: Blut vergisst nicht
BLUT VERGISST NICHT von Kathy Reichs ist ein echter Tempe Brennan-Thriller mit spannender Story, vielen forensischen Details und interessanten Hintergrundinfos.
Temperance „Tempe“ Brennan hat zwei wahrhaft mörderische Jobs. Sie ist forensische Anthropologin an zwei Instituten in Charlotte in den USA und in Montreal, der Metropole im französisch sprechenden Teil Kanadas. Als dort eine männliche Leiche aus einem Teich gefischt wird, kommt es zu einer Überraschung: James Lowry war angeblich bereits seit 30 Jahren tot, gefallen als US-Soldat im vietnamesischen Dschungel. Tempe soll nach Hawaii, um in der amerikanischen Zentrale für Kriegsgefangene und im Einsatz Vermisste (JPAC) nach dem wahren Schicksal Lowrys zu forschen. Begleitet wird sie von ihrer Tochter Katy, die den erst kurz zurück liegenden Tod ihres Freundes, eines zivilen Afghanistan-Helfers verwinden muss. Auch Tempes Ex-Lover Ryan Andrews von der Montrealer Polizei und dessen schwierige, noch kaum vom Drogenentzug erholte Tochter Lily sind mit von der Partie. So muss sich Tempe nicht nur mit der aufwändigen Suche nach lange verschollenen Soldaten herumschlagen, sondern zugleich den Zickenterror der beiden jungen Frauen ertragen. Und dazu kommt auch noch eine Anfrage des hawaiischen Medical Examiners, ob sie sich nicht einmal einige am Strand angeschwemmten Körperteile ansehen könnte. Handelt es sich hier um eine einfache Haiattacke oder um Racheakte unter verfeindeten Banden?
In ihrem neuen Thriller mit der überaus sympathischen Heldin Tempe Brennan verarbeitet Kathy Reichs ihre eigenen Erfahrungen als externe Beraterin bei der JPAC, die tatsächlich noch heute von Hawaii aus den Schicksalen gefallener oder vermisster Soldaten unter anderem aus dem Vietnamkrieg nachforscht. Herausgekommen ist ein spannender Thriller mit vielen interessanten Details über das Umgehen der US-Armee mit ihren eigenen Kriegsopfern in den vergangenen Jahrzehnten, zugleich ein generelles Plädoyer gegen militärische Auseinandersetzungen mit ihren unzähligen menschlichen Verlusten auf beiden Seiten. Daneben nimmt sich Reichs diesmal viel Raum für das Privatleben ihrer Heldin und insbesondere für die Beziehung zu ihrer Tochter – eine vertracktes Verhältnis, von der wohl beide Seiten ein Lied singen können. Das alles macht „Blut vergisst nicht“ zu einem echten Tempe Brennan-Thriller mit spannender Story, mit vielen forensischen Details und interessanten Hintergrundinfos.
Rezension von Silke Schröder
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