Tom Liehr: Geisterfahrer
Tom Liehr gelingt mit Geisterfahrer ein manchmal etwas melancholisches Jungsbuch über verpasste Chancen, viel Berlin und die achtziger Jahre.
Nachdem der 6-jährige Tim Köhrey seine Eltern bei einem Verkehrsunfall
auf der A2 bei Lehrte verliert, kommt er in eine Pflegefamilie. Seine
neue Familie ist nett zu ihm, zeigt ihm aber auch, dass er nicht wirklich
dazu gehört. Vater Jens arbeitet in einer Strafvollzugsanstalt und läuft
in seiner Freizeit freiwillig „Streife“, um Verstöße seiner Nachbarn
anzuzeigen. Mutter Ute hat nicht viel zu sagen und seine neuen Brüder
Marc und Frank sind lange Zeit die einzigen Spielkameraden.
Das ändert
sich, als Tim mit seiner neuen Familie Anfang der 80er Jahre von Hannover
nach Berlin zieht. Mit seinem neuen Freund Kuhle wird er Schul-DJ und
Melanie seine erste große Liebe. Doch es läuft nicht alles so, wie Tim
es gewollt hat.
Trotz seiner großen Erfolge als DJ verlässt er mit Anfang
20 Berlin und heiratet eine Frau in der niedersächsischen Provinz. Die
Ehe entwickelt sich zu einem Desaster und nach 17 Jahren kehrt Tim zurück
in ein völlig verändertes Berlin - auf der Suche nach seinen alten Freunden.
In Tom Liehrs neuem Buch geht es ums Erwachsenwerden und um viel Musik.
Den roten Faden bildet dabei das stets wechselhafte Gefühlsleben seines
jungen Helden Tim. Und obwohl so manche Entscheidung, die Tim in seiner
Emotionalität fällt, etwas überzogen wirkt, ist Tom Liehr hier ein tragigkomisches,
manchmal etwas melancholisches Jungsbuch über verpasste Chancen, viel
Berlin und die achtziger Jahre gelungen. Wer Rocko Shamonis „Dorfpunks“
und Frank Gooßens „So viel Zeit“ mag, wird am „Geisterfahrer“ Spaß haben.
Rezension von Silke Schröder
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