Jutta Swietlinski: Wenn Ally Frauen kĂŒsst …
Jutta Swietlinski gelingt mit WENN ALLY FRAUEN KĂSST ein spannendes Buch ĂŒber die allgegenwĂ€rtige Darstellung lesbischer Liebe im Fernsehen.
Lesben in Fernsehserien
Wer heute lĂ€nger als fĂŒnf Minuten Fernsehen schaut, wird ihr bald begegnen: einer frauenliebenden Frau. Ob in der Krankenhausserie „Emergency Room“ oder im deutschen „Frauenknast“, ob in Comedies oder Fantasyfilmen, es herrscht Lesbenboom im TV. Und die Reaktionen der homosexuellen Zuschauerinnen auf diese neuen Vorbilder sind ĂŒberwĂ€ltigend. Zeit also, das Angebot der neuen Heldinnen genauer in Augenschein zu nehmen. Jutta Swietlinski hat sich die wichtigsten der zahlreichen im deutschsprachigen Raum ausgestrahlten US-Fernsehserien angesehen. Und gibt unterhaltsame Ăberblicke ĂŒber die relevanten Charaktere und HandlungsstrĂ€nge. Sie geht dem lesbischen Subtext nach und kommentiert kritisch die Darstellungen. Stimmen von Serienfans sowie Hintergrundinformationen zu Produktionen und Darstellerinnen ergĂ€nzen die Sichtung.
Wenn Ally Frauen kĂŒsst …
Und irgendwann knutschen sie doch! Ob Star Trek oder Akte X, Buffy oder Dark Angel, Xena der eben Ally McBeal – kaum eine TV-Serie kommt derzeit ohne eine lesbische Liebesbeziehung aus. Ist damit die Liebe unter Frauen – nach den diversen schwul-lesbischen Kinokomödien der letzten Jahre. Endlich auch in der TV-NormalitĂ€t angekommen? Oder wird uns da nur wieder etwas Pfeffer in die sonst so ausgereizte Hetero-Suppe der Serien-Skripte gestreut? Und ist ein Kuss denn wirklich immer mehr als nur ein Kuss?
Swietlinski verfolgt die Heldinnen dieser und einiger weiterer US-Serien auf ihren (erotischen, romantischen, ungewohnten, aufregenden) Abenteuern und analysiert, was genau die DrehbĂŒcher fĂŒr sie bereithalten. Auch wenn ihre Deutungen manchmal etwas klischeehaft bleiben – nicht immer sind nur die Moralapostel in der Redaktion fĂŒr den Tod einer Serienfigur verantwortlich, und nicht immer spielen die USA auch hierzulande die kulturelle Vorreiterrolle -, Swietlinski pflĂŒckt die Szenen mit scharfem Blick auseinander und fragt charmant nach den Dingen, die wir vielleicht nicht sehen – oder sehen wollen. Ein interessantes Buch, das uns einen guten und ausfĂŒhrlichen Einblick in die allgegenwĂ€rtige Darstellung lesbischer Liebe im Fernsehen gibt und so manchen aha-Effekt bietet. Dieser Einblick war lange Zeit ĂŒberfĂ€llig. Gut gemacht, weiter so!
Jutta Swietlinski wurde 1971 in Siegen geboren. Nach dem Studium der Germanistik und Komparatistik arbeitete sie zunĂ€chst als Lektorin und machte sich dann als Ăbersetzerin, Journalistin und freie Autorin selbstĂ€ndig. Sie schreibt unter anderem im Science-Fiction-Bereich sowie im feministisch-lesbischen Bereich.
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