Jhumpa Lahiri: Der Namensvetter
DER NAMENSVETTER von Jhumpa Lahiri ist einen gelungenen Einblick in eine indische Akademikerfamilie in den USA.
Voller Ungeduld wartet das bengalische Ehepaar Ashima und Ashoke auf einen Brief von der GroĂmutter aus Kalkutta. Denn sie muss fĂŒr den Erstgeborenen des nach Amerika ausgewanderten Paares einen Namen auswĂ€hlen, so will es die Tradition. Doch welcher Name dem Enkel zugedacht war, wird die Familie nie erfahren. Der Brief ist verloren gegangen und die GroĂmutter kurz nach der Geburt gestorben. Ashoke nennt seinen Sohn aus einem Impuls heraus Gogol, nach Nikolai Gogol, seinem Lieblingsautor.
So beginnt der Junge sein Leben unter falschen Vorzeichen. Ein groĂes UnglĂŒck, glauben seine Eltern, denn nur der richtige, der schicksalhafte Name kann dem Leben Halt geben. Und schlieĂlich wird es das Kind, das in einem fremden Land aufwachsen muss, schon schwer genug haben. Ashima und Ashoke setzen alles daran, ihren Sohn in der indischen Kultur zu verwurzeln. Doch fĂŒr Gogol gilt nur eines: Er möchte ein richtiger Amerikaner werden.
Wie lange dauert es, bis man wirklich ankommt in einem fremden neuen Land? Vor dem Hintergrund der hiesigen Debatten um AuslĂ€nder-Integration, Greencards und Computerfachleute aus Indien mag es hilfreich sein, ein Blick woanders hinzuwerfen â z.B. nach Amerika, dem geschichtlichen Einwanderungsland Nr. 1. In ruhigen und gelassenen SĂ€tzen vermittelt uns Jhumpa Lahiri in ihrem ersten Roman einen gelungenen Einblick in eine indische Akademikerfamilie, die sich in den 60er Jahren aufmachte, als Einwanderer in den USA FuĂ zu fassen. Eindrucksvoll erleben wir, wie es Kindern der 2. Generation ergeht, die den Spagat zwischen dem traditionellen Elternhaus und dem modernen Amerika bewĂ€ltigen mĂŒssen. Wer âKick it like Beckhamâ mochte, wird auch an dieses Buch interessant finden.
Jhumpa Lahiri wurde 1967 als Tochter bengalischer Eltern in London geboren und wuchs in Rhode Island, USA, auf. Sie lebt mit ihrer Familie in New York. FĂŒr ihre ErzĂ€hlsammlung âMelancholie der Ankunftâ erhielt sie im Jahr 2000 den Pulitzerpreis fĂŒr Literatur, sowie den New Yorker Book Award fĂŒr das beste DebĂŒt. âDer Namensvetterâ ist ihr erster Roman.

© Blessing Verlag
349 Seiten
September 2003
ISBN: 978-389667111-0






