lesende Gartenzwerge
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Dienstag, 14. April 2020

© Rowohlt Berlin Verlag
512 Seiten
10. März 2020
ISBN: 978-3737100793
Originaltitel: Inland

Téa Obreht: Herzland

Western war gestern – Téa Obreht zeigt in ihrem Roman HERZLAND ein manchmal vergessenes, dunkles Kapitel des amerikanischen Traums.

Der Waisenjunge Lurie Mattie stammt aus dem osmanischen Reich und ist ziemlich auf sich allein gestellt. Und weil das im Wilden Westen der 1890er Jahre alles andere als einfach ist, wird er als Mitglied einer Bande zuerst zum Dieb und dann sogar zum Mörder. Überall hängt sein Steckbrief. Doch Lurie schlüpft immer wieder durch das löchrige Fahndungsnetz; mit seinem Kamel schlägt er sich it neuer Identität westwärts bis in die Wüste von Arizona durch. Hier lebt auch die weiße Farmerin Nora Lark mit ihrer Familie. Gerade jetzt ist sie zusammen mit ihrem jüngsten Sohn und ihrer Ziehtochter ganz auf sich allein gestellt. Denn wegen der anhaltenden Dürre sind ihr Mann und die beiden älteren Söhne schon seit vielen Tagen auf der Suche nach Wasser überfällig. Und für Nora werden die Verhältnisse immer schwieriger.

In ihrem neuen Roman “Herzland” erzählt Téa Obreht keine romantische Wildwest-Geschichte, sondern sie wirft einen kritischen Blick auf die Besiedlung des Westens der USA im ausgehenden 19. Jahrhundert. Wasserknappheit und ärmlichste Verhältnisse auf der einen, rücksichtslose Rinderbarone und finanzielle Abhängigkeiten auf der anderen Seite sind die Themen, mit denen ihre verzweifelte Protagonistin Nora zu kämpfen hat. Von ihr switcht die Autorin immer wieder zur Geschichte von Lurie Mattie, der sich mit Lügen und Verbrechen durch den Wilden Westen schlägt. So sind ihre beiden Hauptfiguren beileibe keine amerikanischen Helden, aber doch ein Stück amerikanische Geschichte. Obrecht erzählt von der gewaltsamen Kolonisierung des amerikanischen Westens, von fließenden Grenzen und permanent geänderten Landkarten, von neuen Gesetzen und von Männern, die mit oder ohne sie lebten. Nebenbei beschreibt Téa Obreht sehr authentisch die Wildheit der Natur und die gnadenlos heiße Dürre der Wüste. Western war gestern – “Herzland” zeigt ein manchmal vergessenes, dunkles Kapitel des amerikanischen Traums.

Téa Obreht gilt als eine der wichtigsten jungen Stimmen der internationalen Literatur. Geboren 1985 in Belgrad, lebt sie seit ihrem zwölften Lebensjahr in den USA. Ihr Debütroman «Die Tigerfrau» (2011), für den National Book Award nominiert, erschien in mehr als dreißig Sprachen und wurde in zahlreichen Ländern zum Bestseller. 2011 erhielt Téa Obreht den Orange Prize for Fiction.

Rezension von Silke Schröder

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