Anja Jonuleit: Herbstvergessene
Anja Jonuleit gelingt mit HERBSTVERGESSENE ein emotionales Zeitdokument über Familienzugehörigkeit und über die unerzählte Vergangenheit.
Gelesen von Jenny Laura Bischoff und Brigitte Carlsen
Schon seit langem hat Maja Sternberg keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter – bis sich Lilly eines Tages unvermittelt meldet und sie nach Wien einlädt. Doch als Maja sich auf den Weg macht, bekommt sie eine Nachricht: Ihre Mutter ist tot. Maja glaubt weder an eine natürliche Ursache, noch an einen Selbstmord. Nein, etwas muss ihr passiert sein. Sie recherchiert auf eigene Faust und stellt fest, dass Lilly ihr so einiges über ihr früheres Leben verschwiegen hat. Etwa so banales wie ihren Geburtsort, ein ehemaliges Geburtshaus bei Bremen. Oder diese Fotos ihrer Großmutter, die einen kleinen dunkelhaarigen Jungen im Arm trägt, während Lilly doch flachsblond ist. Je tiefer Maja in der Vergangenheit gräbt, umso mehr verstörende Geheimnisse treten ans Tageslicht …
In “Herbstvergessene” erzählt Anja Jonuleit eindrucksvoll über Familie, Herkunft und das emsige Beschweigen der Vergangenheit. Im Mittelpunkt steht Maja Sternberg, die nach dem Tod ihrer Mutter beginnt, sich intensiver mit deren Leben zu befassen. Vor allem mit den Jahren vor ihrer eigenen Geburt. Sie lüftet dabei so manches Geheimnis über ihre Großmutter und deren Tochter, erfährt aber auch so einiges über die Rassenideologien der Nazis und das Leben in den letzten Kriegsjahren. Dabei switcht sie immer wieder zurück in diese Zeiten und erzählt aus der Perspektive von Majas Großmutter, die mit einer ungewollten Schwangerschaft in ein Heim für ledige Mütter kam. Anja Jonuleit gelingt mit “Herbstvergessene” ein emotionales Zeitdokument über drei Frauen und drei Schicksale, über Familienzugehörigkeit und die Unfähigkeit zum Gespräch über die Vergangenheit. Wunderbar gelesen von Jenny Laura Bischoff und Brigitte Carlsen.







