Richard Powers: Die Wurzeln des Lebens
2018,  Belletristik,  USA

Richard Powers: Die Wurzeln des Lebens

DIE WURZELN DES LEBENS von Richard Powers ist ein eindringliches Plädoyer für die stillen Bodenständigen dieser Erde.

Mitte des 19. Jahrhunderts siedelt sich die Familie Hoel im damals noch wenig erschlossenen Iowa an. Vater Jørgen bringt sechs Kastanien mit und pflanzt sie ein – und tatsächlich, einer der Sprösslinge überlebt die harten ersten Jahre der Siedler. Sein Ur-Ur-Ur-Enkel Nick studiert Kunst und ist unter der alten Kastanie aufgewachsen. Und auch die junge Frau, deren chinesischer Vater in den 60er Jahren einen Maulbeerbaum mit nach San Francisco gebracht hat, pflegt ein besonderes Verhältnis zu dieser Pflanze, ebenso wie die Familie, die für jedes ihrer Kinder ein Baum gepflanzt hat oder die Biologin Dr. Patricia Westerford, die ihre Reputation als Wissenschaftlerin verliert, weil sie über die Kommunikation zwischen Bäume referiert. Neun dieser unterschiedlichen Menschen, die ein jeweils besonderes Verhältnis zu Bäumen pflegen, treffen schließlich zusammen: im Kampf gegen die Holzwirtschaft und für den Erhalt der ältesten Mammutbäume der USA.

Die Wurzeln des Lebens

Richard Powers erzählt in seinem Roman “Die Wurzeln des Lebens”, im englischen Original “The Overstory”, auf epochalen 600 Seiten von Menschen, Bäumen und Lebensentwürfen. Über einen langen Zeitraum, der gerade mal der Lebensspanne eines mittleren Baumriesen entspricht, zeigt er, wie alles auf der Erde irgendwie miteinander zusammenhängt. Powers unterteilt seinen Roman in mehrere Teile. Im ersten Kapitel “Wurzeln” stellt er seine Protagonisten und ihre Geschichte vor, die teils bis zur Besiedlung des Westens tief im 19. Jahrhundert zurück reicht. Im Abschnitt “Stamm” kreuzen sich die Wege seiner Figuren im Kampf um die riesigen Mammutbäume, während ihre Schicksale in “Krone und “Samen” weiter fortgeführt werden. Dabei eint seine Helden immer eins: die Rettung der Bäume.

Der Autor streut viel Wissenswertes über die Geschichte und die ökonomische Bedeutung der Wälder in den USA ein. Seine “Overstory” ist so verflochten wie das Geäst eines alten Mammutbaums. Alles sehr weit weg? Ereignisse wie der Kampf um den Hambacher Forst im Sommer 2018 zeigen, dass auch Hierzulande die Interessen von Ökologie und Ökonomie mitunter hart aufeinander prallen. So ist “Die Wurzeln des Lebens” ein eindringliches Plädoyer für die stillen Bodenständigen dieser Erde. Und betrachtet man etwa das Schicksal der Osterinseln. Dann weiß man, wohin die Reise geht – ohne Bäume…

Richard Powers wurde 1957 geboren und lebt in den USA. Auf sein Romandebüt ›Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz‹ (1985) erschienen neun weitere Romane. Sie wurden Bestseller wie ›Der Klang der Zeit‹ und mehrfach preisgekrönt. 2006 erhielt er den National Book Award für ›Das Echo der Erinnerung‹, es folgte ›Das größere Glück‹. In der Reportage ›Das Buch Ich #9‹ beschreibt Richard Powers den Prozess, als neunter Mensch überhaupt sein Genom vollständig entschlüsseln zu lassen.

Richard Powers: Die Wurzeln des Lebens
Richard Powers:
Die Wurzeln des
Lebens

      

© S. FISCHER
624 Seiten
4. Oktober 2018
ISBN: 978-3103973723
Original: The Overstory

      

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