Julia Franck: Die Mittagsfrau

Julia Franck: Die Mittagsfrau

DIE MITTAGSFRAU von Julia Franck erzÀhlt sehr emotional und persönlich von den Schwingungen der Jahrzehnte zwischen 1930 und 1950.

Helene und Martha wachsen in einem gutbĂŒrgerlichen Haushalt in Bautzen auf. Ihre Mutter leidet schwer an Depressionen und der Vater kommt als Invalide aus dem 1. Weltkrieg zurĂŒck. Als er kurze Zeit spĂ€ter stirbt, verlassen die Schwestern ihr Elternhaus und ziehen zu einer betuchten Tante nach Berlin. Es sind die 1920er Jahre und Helene und Martha genießen ihr Leben in vollen ZĂŒgen.

Martha experimentiert mit Drogen und lebt offen mit ihrer Freundin zusammen, Helene, die jĂŒngere, lernt Carl Wertheimer kennen, einen Philosophie-Studenten aus gutem Haus. Die beiden verlieben sich unsterblich ineinander und Helene zieht bei ihm ein. Leider ist das GlĂŒck nur von kurzer Dauer, denn Carl stirbt bei einem Unfall und Helenes Welt bricht zusammen 


Julia Franck ist ein sehr emotionales Buch ĂŒber eine bewegte Ära gelungen. Dabei spannt sie die Klammer vom 1. Weltkrieg bis in die 1950er Jahre. Doch wie die Zeit, so ergeht es auch den Schwestern. Angefangen in der familiĂ€ren Enge des ausgehenden wilhelminischen Zeitalters und dem Tod des Vaters, erfahren Helene und Martha die 1920er Jahre mit all ihrem bourgeoisen Pomp und der Ausgelassenheit des BĂŒrgertums. Mit dem Tod von Carl wird die Zeit der NS-Herrschaft mit ihrem Rassismus und ihrer Ungerechtigkeit eingelĂ€utet, anschaulich dargestellt am weiteren Schicksal Helenes. Und es ist nur konsequent, dass die Autorin ihre Heldin nach dem 2. Weltkrieg symbolisch einen Strich unter ihr bisheriges Leben ziehen lĂ€sst und alles, einschließlich ihres Sohnes, zurĂŒcklĂ€sst, um in der „Stunde Null“ ganz von vorne anzufangen.

Ein wirklich gelungenes Buch, das die Schwingungen der jeweiligen Jahrzehnte sehr emotional und persönlich wiedergibt. Hut ab.

Julia Franck wurde 1970 in Berlin geboren. Sie studierte Altamerikanistik, Philosophie und Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin. 1997 erschien ihr DebĂŒt »Der neue Koch«, danach »Liebediener« (1999), »Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen« (2000) und »Lagerfeuer« (2003). Sie verbrachte das Jahr 2005 in der Villa Massimo in Rom. FĂŒr ihren Roman »Die Mittagsfrau« erhielt Julia Franck den Deutschen Buchpreis 2007. Der Roman wurde in 40 Sprachen ĂŒbersetzt und fĂŒrs Kino verfilmt (2023, Regie: Barbara Albert). Nach »RĂŒcken an RĂŒcken« (2011) erschien zuletzt »Welten auseinander« (Platz 1 der SWR-Bestenliste). FĂŒr ihr Werk wurde sie 2022 mit dem Schiller-GedĂ€chtnis-Preis ausgezeichnet.

hallo-buch.de - Rezensionen und Buchtipps von Silke Schröder
hallo-buch.de

      

© Fischer Verlag
432 Seiten
September 2007
ISBN: 978-3100226006

      

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