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Montag, 11. Mai 2020

Aufbau Verlag
145 Seiten
13. September 2019
ISBN: 978-3746636061
Original: Konbini Ningen

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

DIE LADENHÜTERIN von Sayaka Murata ist ein schonungslos-treffender, manchmal schon komödienhafter Blick auf die japanische Gesellschaft, deren Normen unverrückbar erscheinen.

Keiko Furukura ist anders als andere. Seit ihrem 18. Lebensjahr schon jobbt die 36-jährige in einem dieser kleinen, rund um die Uhr geöffneten japanischen Mini-Supermärkte. Dort, in ihrem Konbini, fühlt sie sich sicher, denn in diesem kleinen Reich hat sie alles unter Kontrolle und die Arbeit folgt stets dem gleichen, vorherbestimmten Rhythmus. Doch sie muss sich auch den immer drängenderen Fragen ihrer Schwester und ihrer wenigen Freunde stellen: Warum ist sie eine Jobberin und arbeitet nicht richtig? Und warum ist sie nicht längst verheiratet? Um den ständigen Bemerkungen zu entgehen, sucht sie händeringend nach einem Ausweg.

In “Die Ladenhüterin” erzählt die Japanerin Sayaka Murata von sozialen und kommunikativen Schwierigkeiten. Ihre Ich-Erzählerin Keiko hat schon als Kind nicht den gesellschaftlichen Konventionen entsprochen und manche alltägliche Sprachregelung unerwartet anders interpretiert, was allerlei Schwierigkeiten nach sich zog. Jetzt, als Jobberin in einem 24-Stunden-Convenience Store, kann sie endlich alles strikt nach Vorgabe machen und fällt nicht mehr aus der Rolle. Pointiert und detailgenau beobachtet, legt Sayaka Murata die strengen und teils absurden Konventionen in der japanischen Gesellschaft offen. Denn selbst im Mikrokosmos ihres Konbinis benötigt ihre Protagonistin, die ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert hat, viel Einfallsreichtum, um sich an den Erwartungen ihrer Umwelt vorbei zu mogeln. So ist “Die Ladenhüterin”, in Japan unter dem Titel “Konbini Ningen” ein Bestseller, ein schonungslos-treffender, manchmal schon komödienhafter Blick auf eine Gesellschaft, deren Normen unverrückbar erscheinen. Derzeit beschreibt die Autorin in einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung ihre Sicht auf den Corona-Alltag in Japan.

Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren und arbeitet selbst in einem Konbini. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Noma-Literaturpreis für Nachwuchsschriftsteller und den Mishima-Yukio-Preis. Ihr Roman "Die Ladenhüterin" gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans.

Rezension von Silke Schröder

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