lesende Gartenzwerge
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Dienstag, 18. August 2020

© DuMont Buchverlag
496 Seiten
18. August 2020
ISBN: 978-3832183738
Original: 8
Natsumonogatari

Mieko Kawakami: Brüste und Eier

Mieko Kawakami ist mit BRÜSTE UND EIER ein wunderbar radikaler, feministischer und sehr unterhaltender Roman über die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft gelungen.

An einem heißen Sommertag im Jahr 2008 bekommt die 30-jährige Natsuko in Tokyo Besuch: Ihre ältere Schwester Makiko quartiert sích mit ihrer 12-jährigen Tochter bei ihr ein. Makiko, die noch immer als Hostess in einer Animierbar arbeitet, möchte sich in der Hauptstadt einer Brustvergrößerung unterziehen, was Natsuko allerdings unnötig und Midoriko blöd findet. Letztere hat sowieso gerade andere Probleme als die Körbchengröße ihrer Mutter; sie kommuniziert mit ihrer Familie grundsätzlich nur noch schriftlich. Und auch die asexuelle Natsuko hadert mit ihrem Schicksal, denn ihrem Traum eines unabhängigen Lebens als Schriftstellerin, mit dem sie vor ein paar Jahren nach Tokyo kam, ist sie bisher kaum näher gekommen – stattdessen wird sie als Alleinstehende misstrauisch beäugt. So hat jede der drei Frauen ihr Päckchen zu tragen.

“Brüste und Eier” von Mieko Kawakami ist ein leicht erzählter, aber fesselnder Roman über die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht ihre sympathische Heldin Natsuko, die aus einfachen Verhältnissen stammt und keine große Lust verspürt, sich in ihre Rolle in der noch immer sehr traditionell orientierten japanischen Gesellschaft zu fügen. Diese Erwartungen werden bei Kawakami in vielen Facetten sichtbar: In der Schönheitsnorm, im Bild der nach außen intakten Familie, in der ungleichen Verteilung der Karrierechancen. Sie beleuchtet aber auch den zugehörigen anderen Part, etwa die Zunahme von Depressionen bei Männern oder das Phänomen, dass junge Männer zu sozialen Totalverweigerern werden und ihre Wohnung kaum mehr verlassen. Ist es ein Wunder, dass viele Menschen unter diesen Umständen nicht mehr zueinander finden und immer mehr Frauen ihre Kinder über Samenspenden bekommen wollen? Mieko Kawakami beschäftigt sich vor allem mit der latenten Diskriminierung von Frauen und mit der Frage, warum diese sich selbst immer wieder zurücknehmen. So ist ihr mit “Brüste und Eier”, das im Original doppelsinnig “Natsu monogatari” (Natzus Geschichten oder Sommer-Erzählungen) heißt, ein wunderbar radikaler, feministischer und sehr unterhaltender Roman gelungen. Unbedingte Leseempfehlung, nicht nur für Japan-Interessierte – schließlich kommt einem vieles daraus verdammt bekannt vor.

Mieko Kawakami, 1976 in Osaka, Japan, geboren, begann ihre Karriere als Sängerin und Songschreiberin, bevor sie 2007 ihr literarisches Debüt vorlegte, für das sie mit dem Tsubouchi-Shoyo-Preis ausgezeichnet wurde.

Rezension von Silke Schröder

Mieko Kawakami: Brüste und Eier

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