Ulrich Wickert: Das achte Paradies
Ulrich Wickert gibt uns in DAS ACHTE PARADIES wieder einen kriminell-spannenden Einblick in die Untiefen der französischen Republik.
Der Pariser Untersuchungsrichter Jaques Ricou freut sich auf die 14-tätigen Justizferien, in denen er auf dem Boot eines Freundes vor der Cote d’Azur herumschippern möchte. Doch dann verschwindet Gina, die Cousine seiner guten Journalisten-Freundin Margaux. Die junge Frau arbeitet als Modell und unterstützt mit ihren vielen Kontakten Margaux bei einer mutigen Recherche über die georgische Mafia in Frankreich. Aber irgendetwas ist an der Sache faul, denn als Jacques die Ermittlungen aufnimmt, bekommt er direkt aus dem Elissee-Palast die Order, seine Arbeit sofort wieder einzustellen. Und als auch noch die Tochter eines berühmten Parfumherstellers ihn persönlich bittet, nach ihrem verschwundenen Onkel zu suchen, findet der Richter nicht nur einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen, er gerät auch immer mehr in die Untiefen der allgegenwärtigen Mafiastrukturen.
Dies ist das vierte Abenteuer mit Jaques Ricou, dem unbestechlichen Untersuchungsrichter aus Paris. Diesmal führen ihn seine Ermittlungen von Paris über Berlin bis nach Nizza. Dort nimmt sich der vielen reureichen Russen an, die an der Cote Azur eine mondäne Villa nach der anderen aufkaufen und schon das halbe Cap Ferrat, eine der begehrtesten Wohngegenden an der südfranzösische Küste, in ihren Besitz gebracht haben sollen. Aber nicht nur die oftmals unklaren Quellen des russischen Reichtums, auch die mafiösen Strukturen in russisch-georgischen Geschäftskreisen und die Rolle des französischen Präsidenten Sarkozy, der sich bei Vermittlungen zwischen Russen und Georgiern einen Namen machen will, nimmt Wickert aufs Korn. Natürlich lässt er dabei auch das Privatleben seines unbeugsamen Richters nicht zu kurz kommen. Selbst wenn der Krimi mit seinen 332 Seiten ein wenig kurz geraten ist und der Plot gelegentlich etwas konstruiert wirkt, gibt Ulrich Wickert uns hier wieder einen kriminell-spannenden Einblick in die Untiefen der französischen Republik.
Ulrich Wickert, 1942 in Tokio geboren, studierte Politische Wissenschaften und Jura in Deutschland und in den USA. Nach Stationen in Hörfunk und Fernsehen, u. a. beim politischen Magazin Monitor, war er ARD-Korrepondent in Washington, New York und Paris. Von 1991bis 2006 moderierte er die Tagesthemen.
Rezension von Silke Schröder
Frankreich
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