Alisha Gamisch: Parasiti

PARASITI von Alisha Gamisch ist eine bewegende Familiengeschichte über weibliche Identität, Selbstbestimmung, Ausgrenzung und Migration.
Rina lebt mit ihrer Tante Valli und ihrer Großmutter Lydia in Fürstenfeldbruck bei München. Alles läuft hier seinen normalen Gang, die Tage ziehen im Jahreslauf vorbei. Doch genau an dem Tag, als Lydia einen Brief bekommt und danach einfach verstummt, beginnt Rina, Fragen zu stellen. Denn ihre Oma hat ein bewegtes Leben hinter sich: Nach ihrer Deportation verbrachte sie Jahre in einer Barackensiedlung in Sibirien, kümmerte sich um alles einschließlich ihrer Tochter und ihrer Nichte, bis sie endlich den Mut aufbrachte und versuchte, Sibirien Richtung Westen zu lassen. Was kann in dem Brief gestanden haben, um sie so zu erschüttern?
Parasiti
“Parasiti” von Alisha Gamisch erzählt von drei Generationen von Frauen, die ihren Weg in bewegten Zeiten meistern mussten. Die deutschstämmige Lydia lebt in den 1960er Jahren in der Sowjetunion. Wie viele andere, die nicht in das streng kontrollierte kommunistische System zu passen schienen, wurde auch sie nach Sibirien deportiert, um ihr Leben fortan an einem unwirtlichen Ort zu verbringen. Ein besonderes Augenmerk legt die Autorin dabei auf die Lage der Frauen in dieser Situation. Sie erzählt von der harten Arbeit, vom alltäglichen Kampf mit dem Mangel und der Kälte, aber auch vom selbstverständlichen Recht auf Abtreibung, von dem westeuropäische Frauen damals nur träumen konnten. Alisha Gamisch switcht immer wieder zwischen den Zeiten und ihren Figuren hin und her, zeigt, von der Großmutter bis zur bereits in Deutschland geborenen Rina, die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Generationen auf ihre Geschichte und ihre jeweilige Situation. Und dabei finden sich trotz aller Unterschiede auch Parallelen, die sich innerhalb der Familie weitervererben.
„Parasiti“ ist übrigens der russische Ausdruck für „Parasiten“, nach dem sowjetischen “Parasitengesetz”, mit dem angebliche Arbeitsverweigerer bestraft wurden – Menschen wie Lydias Mann, der zunächst ein arbeitsloser Musiker und dann ein arbeitsunfähiger Alkoholiker war. So ist “Parasiti“ von Alisha Gamisch eine bewegende und durchaus spannende Familiengeschichte über weibliche Identität, Selbstbestimmung, Ausgrenzung und Migration.
Die Autorin
Alisha Gamisch studierte in MĂĽnschen und London Anglistik und Germanistik und lebt heute in Berlin. Sie ist GrĂĽndungsmitglied des feministischen Vereins „Wepsert e.V.“ Seit 2025 ist sie Teil der literarischen Show „No Scribes“. „Parasiti“ ist ihr DebĂĽtroman.
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