Hideo Yokoyama: 64
Der fiktive Thriller 64 von Hideo Yakoyama ist ein Blick auf den Polizeiapparat und die gesellschaftlichen Gegebenheiten in Japan.
Gelesen von Samuel Streiff
Als im Januar 1989 in Tokyo ein siebenjähriges Mädchen entfĂĽhrt und ermordet wird, laufen die Ermittlungen ins Leere. Die EntfĂĽhrer entkommen mit dem Lösegeld und die Polizei legt den Fall schon bald ad acta. Als 14 Jahre später die Tochter des Polizeipressesprechers Yoshinobu Mikami mitten in Tokyo verschwindet, ist das fĂĽr ihn ein Anlass, sich diesen alten Fall noch einmal anzusehen. Ist der Täter von damals noch immer unterwegs? Welche Fehler wurden bei den Ermittlungen gemacht, welche Ungereimtheiten gab es bei der ganzen Geschichte? Mikami stößt auf ein geheimes Memo – und auf eine Mauer des Schweigens. Immer mehr wird ihm bewusst, dass er in einem ĂĽbermächtigen und korrupten Polizeiapparat gerade mächtig Staub aufwirbelt. Und das bleibt nicht ohne Folgen … Â
In “64” schaut der Japaner Hideo Yakoyama konsequent hinter die Kulissen eines Polizeiapparates, der tief in Grabenkämpfe zwischen alten Seilschaften, in Korruption, Intrigen und politische Machenschaften verstrickt ist. Er hängt seine Story an einem in der Vergangenheit liegenden Fall auf und berichtet aus Sicht des Polizeipressesprechers Yoshinobu Mikami von den Hürden und Hindernissen eines streng hierarchisch organisierten Systems. Dabei gelingt ihm ein tiefer Blick in die japanische Gesellschaft und in eine Struktur, die autoritär und strikt geführt wird und in der jeder und jede den zugewiesenen Platz einnehmen soll. Nur ganz zaghaft deutet der Autor einige Veränderungen an, etwa in Hinsicht auf die Rolle der berufstätigen Frauen. So ist “64” von Hideo Yakoyama zwar eine fiktionale Thriller-Geschichte, aber zugleich ein Blick auf den Polizeiapparat und die gesellschaftlichen Gegebenheiten in Japan. Bestens gelesen von Samuel Streiff.
Der Autor
Hideo Yokoyama, geboren 1957 in Tokio, arbeitete als investigativer Journalist und gilt als der japanische Stieg Larsson. Er ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und schrieb zehn Jahre an »64«. Der Thriller eroberte Platz 1 der japanischen Bestsellerliste und wurde als bester japanischer Kriminalroman des Jahres 2013 ausgezeichnet.
Der Sprecher
Samuel Streiff, geboren 1975 in Zug, ist ein Schweizer Schauspieler und Sprecher. Er ist in Zürich ausgebildet und arbeitet international für Theater und Film. Bekannt ist er u. a. als Kommissar in der Serie »Der Bestatter«. Zudem ist er als Off-Sprecher für Formate wie »Tagesschau« und »10 vor 10« tätig.
Ăśbersetzung
Nikolaus Stingl ist 1952 in Baden-Baden geboren. Er ist mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Sabine Roth, geboren 1963, Literaturstudium in München, Toronto, Canterbuy und Oxford. Sie ist seit 1991 als Übersetzerin tätig.
Beste Polizeikrimis mit einem einsamen Helden – Eine Auswahl
- Deon Meyer: TodsĂĽnde
- Max Bentow: Rabenland
- Stefan Ahnhem: Minus 18 Grad
- Marc Raabe: Im Morgengrauen
- Karen Sander: Die Tiefe – Versunken
- M.W. Craven: Der Kurator
- Andreas Gruber: Todesspur
- Anders Roslund: Engelsgabe






