Christine Grän: Heldensterben
Christine Grän ist mit HELDENSTERBEN ein wunderbar-skuriller Wien-Roman gelungen.
gelesen von Sophie Rois
Lucie lebt in Wien und nennt sich selbst Dichterin. Sie schreibt Nachrufe
auf Verstorbene und arbeitet seit Jahren an einem Selbstmörderbuch. Beim
impotenten Pornoproduzenten Leopold ist sie für die erotischen Drehbücher
zuständig. Als in kurzer Folge mehrere Selbstmorde geschehen, gerät Lucie
kurzfristig in das Visier der Polizei. Sie trifft ihren alten Schulfreund
und jetzigen Kommissar Addo wieder, der schon damals in sie verliebt war.
Mit Leopolds schönster Darstellerin, der lesbischen Anna, beginnt Lucie
ein einträgliches Geschäft aufzuziehen. Anna wiederum hatte eine langjährige
Affäre mit einer prominenten Politikerin, bis diese sich das Leben nahm.
Addo und Lucie verlieben sich wieder ineinander, aber Addo möchte Wien verlassen.
Jede Menge Umstände also, die die Aufklärung der (Selbst)morde erschweren.
Christine Grän ist ein wunderbar-skuriller Wien-Roman gelungen. Dabei lässt
sie kein Klischee und keine Kuriosität aus der Stadt der Kaffeehäuser aus.
Der Opernball, die Titelprotzerei der vermeintlich besseren Gesellschaft,
die Gelassenheit und die Gehässigkeit der Wiener sowie die morbide Melancholie
der Donau-Metrople vereint Christine Grän hier in seltener Perfektion. Es
geht aber auch um Liebe und Tod, um Freundschaft und die Macht des Zufalls.
D as unverzichtbare Sahnehäubchen auf diesem Wiener Cocktail: Die Österreicherin
Sophie Rois spricht die sarkastisch-makabere Geschichte über die Stadt und
seine Einwohner im herrlichsten Wiener Dialekt.
Rezension von Silke Schröder
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