© Goldmann Verlag
539 Seiten
Juni 2006
ISBN: 344230704X
Original: Saving Fish
from Drowning
Saving Fish from Drowning
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Amy Tan beschreibt in DER GEIST DER MADAME CHEN heiter-ironisch den oft naiven Blick der liberalen Westküstler auf die durch Korruption und Menschenrechtsverletzungen gebeutelte Bevölkerung in Burma.
Kurz vor Beginn ihrer lang geplanten
Bildungsreise nach Burma stirbt die Kunst- und Antiquitätenhändlerin Bibi
Chen aus San Fransisco. Ihre Mitreisenden treten die Reise auch ohne ihre
Organisatorin an - die es sich aber nicht nehmen lässt, ihre Freunde als
Geist zu begleiten, leider ohne eingreifen zu können.
So stolpern die unwissenden
Amerikaner von einem kulturellen Fettnäpfchen zum nächsten, entwürdigen
einen heiligen Schrein und essen in pseudo-folkloristischen Restaurants,
immer auf der Suche nach der Authentizität des Landes und seiner Menschen.
Die finden sie dann auch in Gestalt eines von der Militärregierung verfolgten
Bergstammes, der in den Amerikanern die weisen Erlöser sieht und sie mit
einem billigen Trick in den Dschungel entführt.
In unaufgeregtem Ton erzählt
Amy Tan von den Verhältnissen in Burma unter der Militärregierung. Dabei
moralisiert sie nicht, sondern lässt die Amerikaner die Kultur, Politik
und Mentalität des Landes spüren und erleben. Sie beschreibt heiter-ironisch
den oft naiven Blick der liberalen Westküstler auf die durch Korruption
und Menschenrechtsverletzungen gebeutelte Bevölkerung. Dabei vergisst sie
aber nicht die Schönheit des Landes und die Herzlichkeit der Menschen. Auch
wenn Amy Tan zum Ende etwas dick aufträgt, ist ihr neuer Roman ein Erlebnis
und weit mehr als nur ein Reisebericht aus dem fernen Asien.
Amy Tan wurde
1952 als Tochter chinesischer Auswanderer in Oakland, Kalifornien, geboren.
Ihr Vater und ihr Bruder starben, als sie 15 Jahre alt war. Ihre Mutter,
Tochter einer wohlhabenden Familie in Shanghai, hatte drei Töchter aus erster
Ehe in China zurücklassen müssen, als sie nach Amerika ging. Amy Tan gehört
zu den erfolgreichsten amerikanischen Schriftstellerinnen. Sie lebt heute
mit ihrem Mann in San Francisco und New York.
Rezension von Silke Schröder
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