lesende Gartenzwerge
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Mittwoch, 26. April 2007

© Blessing Verlag
349 Seiten
September 2003
ISBN: 978-389667111-0

Jhumpa Lahiri: Der Namensvetter

In ruhigen und gelassenen Sätzen vermittelt uns Jhumpa Lahiri in DER NAMENSVETTER einen gelungenen Einblick in eine indische Akademikerfamilie, die sich in den 60er Jahren aufmachte, als Einwanderer in den USA Fuß zu fassen.

Voller Ungeduld wartet das bengalische Ehepaar Ashima und Ashoke auf einen Brief von der Großmutter aus Kalkutta. Denn sie muss für den Erstgeborenen des nach Amerika ausgewanderten Paares einen Namen auswählen, so will es die Tradition. Doch welcher Name dem Enkel zugedacht war, wird die Familie nie erfahren. Der Brief ist verloren gegangen und die Großmutter kurz nach der Geburt gestorben. Ashoke nennt seinen Sohn aus einem Impuls heraus Gogol, nach Nikolai Gogol, seinem Lieblingsautor.

So beginnt der Junge sein Leben unter falschen Vorzeichen. Eine großes Unglück, glauben seine Eltern, denn nur der richtige, der schicksalhafte Name kann dem Leben Halt geben. Und schließlich wird es das Kind, das in einem fremden Land aufwachsen muss, schon schwer genug haben. Ashima und Ashoke setzen alles daran, ihren Sohn in der indischen Kultur zu verwurzeln. Doch für Gogol gilt nur eines: Er möchte ein richtiger Amerikaner werden.

Wie lange dauert es, bis man wirklich ankommt in einem fremden neuen Land? Vor dem Hintergrund der hiesigen Debatten um Ausländer-Integration, Green-Cards und Computerfachleute aus Indien mag es hilfreich sein, ein Blick woanders hin zu werfen – z.B. nach Amerika, dem geschichtlichen Einwanderungsland Nr. 1. In ruhigen und gelassenen Sätzen vermittelt uns Jhumpa Lahiri in ihrem ersten Roman einen gelungenen Einblick in eine indische Akademikerfamilie, die sich in den 60er Jahren aufmachte, als Einwanderer in den USA Fuß zu fassen. Eindrucksvoll erleben wir wie es Kindern der 2. Generation ergeht, die den Spagat zwischen dem traditionellen Elternhaus und dem modernen Amerika bewältigen müssen. Wer „Kick it like Beckham“ mochte, wird auch an dieses Buch interessant finden.

Jhumpa Lahiri wurde 1967 als Tochter bengalischer Eltern in London geboren und wuchs in Rhode Island, USA, auf. Sie lebt mit ihrer Familie in New York. Für ihre Erzählsammlung „Melancholie der Ankunft“ erhielt sie im Jahr 2000 den Pulitzerpreis für Literatur, sowie den New Yorker Book Award für das beste Debüt. „Der Namensvetter“ ist ihr erster Roman.

Rezension von Silke Schröder


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