Souad: Bei lebendigem Leib
Mit einfachen, eindringlichen Worten erzählt uns die Autorin Souad (unter Mithilfe von Marie-Thérèse Cuny) in BEI LEBENDIGEN LEIB die erschütternde Geschichte ihres Ehrenmordanschlages
Die Überlebende eines Ehrenmord-Anschlags berichtet! Jährlich werden
Tausende junger Mädchen und Frauen von Verwandten getötet, weil sie angeblich
die Ehre der Familie beschmutzt haben. Souad aus dem Westjordanland überlebt.
Die Autorin muss sich auch heute noch verstecken. Deshalb trägt sie zu ihrem
Schutz in der Öffentlichkeit eine Gesichtsmaske.
Souad ist siebzehn Jahre alt, und sie ist schwanger. Für ihr Heimatdorf ein Skandal! Deshalb
hat ihre Familie beschlossen, sie zu töten, und ihren Schwager beauftragt,
das Urteil zu Vollstrecken. Als sie wenige Tage später im Hof ein Feuer
schürt, um Wasser zu erhitzen, nähert sich ihr Schwager, übergießt sie
mit Benzin und setzt sie mit einem Streichholz in Brand bei lebendigem
Leib. In den Augen der Dorfgemeinschaft ist dieser Mann ein Held. Und
seine Tat ist eine Sache der Ehre . Souad wurde wie durch ein Wunder gerettet.
Nun hat sie sich entschlossen, Zeugnis abzulegen. Um den Mädchen und
Frauen ihre Stimme zu leihen, deren Leben in Gefahr ist. Im Gedenken an
die zahllosen Opfer, die nicht so viel Glück hatten wie sie. Und um der
Weltöffentlichkeit dieses grausame Unrecht vor Augen zu führen.
Mit einfachen, eindringlichen
Worten erzählt uns die Autorin Souad (unter Mithilfe von Marie-Thérèse
Cuny) die erschütternde Geschichte ihres Ehrenmordanschlages – für uns Euporäer(innen)
unvorstellbar, grausam und schockierend. Man mag nicht glauben, das er
in dieser Welt solche Taten überhaupt vorkommen. 5500 Fälle sind bekannt,
die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Man kann das Buch keinen Moment aus
den Händen legen, so eindrucksvoll beschreibt Souad, die lange Analphabetin
war und aus sehr einfachen Verhältnissen kommt, ihre Gefühle und ihren eisernen
Überlebenswillen. Heute lebt sie unter falschen Namen mit ihrer Familie
irgendwo in Europa. Dies ist der erste Zeugnisbericht einer Überlebenden
eines Ehrenmordanschlages.
Rezension von Silke Schröder
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