lesende Gartenzwerge
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Montag, 10. Oktober 2011

© Rorwohlt TB Verlag
256 Seiten
Oktober 2011
ISBN: 978-3499256585
Original: Spor

Lilja Sigurðardóttir: Zwölf Schritte

Lilja Sigurdardóttir verbindet in ZWÖLF SCHRITTE einen spannenden Fall mit den in ihrem Heimatland weit verbreiteten Alkoholproblemen und beweist einmal mehr, dass es unter den gerade 300 000 Isländern viele gute Autoren gibt.

Der Isländer Magni hat gerade erfolgreich einen Alkoholentzug hinter sich gebracht, als seine Ex-Frau, die Kommissarin Idunn, ihn bittet, der Reykjaviker Polizei mit ein paar diskreten Diensten zur Seite zu stehen: er soll bei den Beratungstreffen der Anonymen Alkoholiker, die er zukünftig besuchen wird, alle Augen und Ohren offen halten, denn ein brutaler Serienkiller hat eine erbarmungslose Jagd auf Mitglieder der AA-Szene eröffnet. Magni stürzt sich gerne in seinen neuen Job, lenkt der ihn doch wunderbar vom Gedanken an das Trinken ab und verschafft ihm zusätzlich auch noch täglichen Kontakt zu seiner Ex-Frau, die ihn wegen das Alkohols sitzen gelassen hat. An den Tatorten entdecken die Ermittler zwar auffällige religiöse Symbole, aber sonst keinen Hinweis auf den Täter. Als Magni allerdings den nächsten Toten als einen seiner Bekannten identifiziert, merkt er, wie nahe er dem Mörder mittlerweile gekommen ist.

Zwölf Schritte sollen ehemaligen Alkoholikern dabei helfen, ihren Weg weg vom Alkohol zu einem Leben in mentaler Ausgeglichenheit zu finden. Längst nicht alle aber schaffen diesen Weg, und auch in Sigurdardóttirs Story wird bald immer deutlicher, dass jedes der Opfer mit einem dieser zwölf Schritte Schwierigkeiten hatte - und dass der Mörder genau jene Klippe, mit dem der Tote große Probleme hatte, in den Mordumständen noch einmal in Szene setzt. „Zwölf Schritte“ zeigt aber auch, dass aus dem hoch im Norden liegenden Island immer wieder spannend erzählte Krimis kommen. In ihrem Debüthriller warnt die Autorin Lilja Sigurdardóttir nicht nur vor den in ihrem Heimatland weit verbreiteten Alkoholproblemen, sondern auch davor, wohin sich religiöser Wahn entwickeln kann. Sehr sensibel beschreibt sie den mühsamen Weg ihrer sympathischen Hauptfigur, des Ich-Erzählers Magni, zu einem Leben ohne Alkohol, der mit vielen kleinen Siegen, aber auch mit großen Misserfolgen gepflastert ist. Dabei wird deutlich, wie sehr Island, ähnlich anderen skandinavischen Ländern, mit dem Problem des Alkoholismus zu kämpfen hat. Lilja Sigurdardóttir verbindet in „Zwölf Schritte“ einen spannenden Fall mit einem gesellschaftlich aktuellen Thema und beweist einmal mehr, dass es unter den gerade 300 000 Isländern viele gute Autoren gibt – nicht umsonst ist Island das Partnerland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse.

Lilja Sigurðardóttir wurde 1972 geboren. Obwohl sie Erziehungswissenschaften studierte, arbeitet sie heute im Bereich Internet-Administration und schreibt in ihrer Freizeit Bücher. Sie gewann im Jahr 2008 den Schreibwettbewerb des Verlages Bjartur, der auf der Suche nach dem isländischen Dan Brown war.

Rezension von Silke Schröder



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